Ewald Hering

1834 - 1918

Hering immatrikulierte sich an Universität zu Leipzig im Alter von 19 Jahren. Er war ein Student der berühmten E. H. Weber und Gustav Fechner und zudem auch sehr beeinflusst von der Arbeit des Johannes Müller. Später wurde er Professor für Physiologie in Leipzig und dann an der Akademie zu Wien. In den 60er Jahren des 19. Jhd. ereiferte er sich an Studien zur räumlich- visuellen Wahrnehmung. Er untersuchte das menschliche (angeborene) Urteilsvermögen in der Raum- und Tiefenwahrnehmung. Dies sollte später von den Gestaltpsychologen aufgenommen werden. In den 70ern entwickelte Hering in Rivalität zu Helmholtz, der einen verstärkt empirischen Ansatz vertrat, seine Theorie der Farbenlehre. Demnach gibt es in der visuellen Wahrnehmung zwei antagonistische (widerstreitende) Prozesse, den katabolischen und den anabolischen, in denen drei Paare auftreten: schwarz -weiß, gelb - blau und rot - grün. Für die Unterscheidungsleistung seien Substanzen in der Retina des menschlichen Auges verantwortlich. Zum einen gibt es die Reaktion der Verwechslung (katabolisch), die sich auf rot, gelb und weiß bezieht; und zum anderen die der Anpassung (anabolisch) bei den Farben grün, blau oder schwarz. Außerdem erklärt die Theorie die negativen Nachbilder und den Farbkontrast, der durch die entgegengesetzte Reaktion auf die auslösende Stimulation ausgelöst wird. Wenn z.B. jemand etwas Gelbes fixiert, wird das negative Nachbild blau usw. Jede Farbe würde eine chemische Veränderung in den Rezeptoren des Auges auslösen. Das Nachbild würde dabei stimuliert durch die gegensätzliche Reaktion auf die auslösende Farbpräsentation. Die Theorie erklärt außerdem Farbenblindheit. Rot- und Grün- Farbenblindheit tendieren zusammen aufzutreten. Etwa 50 Jahre lang wurde Herings Theorie für die Theorie von Helmholtz gehalten.(T.L)